Sun Yatsen, erster Präsident der Republik China

Der „Landesvater“, so der Ehrentitel des Republikgründers, wurde 1866 in Zhongshan am Perlflussdelta geboren. Da er Medizin studiert hatte, wird er auf Englisch oft „Dr. Sun“ genannt. Einen solchen akademischen Titel besaß er jedoch nicht. Sein eigentlicher Name war Sun Wen. Die im Westen geläufige Form rührt von der kantonesischen Aussprache eines Pseudonyms. Auf Chinesisch ist er heute nur als Sun Zhongshan geläufig. Von hoher persönlicher Integrität, sah er seine Lebensaufgabe darin, die Mandschuhherrschaft zu stürzen, um China als Republik zu Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit gelangen zu lassen. An der Revolution von 1911 hatte er jedoch keinen persönlichen Anteil. Am 1.1.1912, bei Ausrufung der Republik, wurde er deren erster Präsident, gab diesen Posten jedoch im Austausch für die Abdankung des Kindkaiser Puyi im Februar 1912 wieder ab. Die folgende Zersplitterung Chinas konnte er nicht verhindern. Die Wiederherstellung staatlicher Einheit wurde sein nächstes Ziel, das er nicht mehr erlebte. Er starb 1925 im alter von 59 Jahren, bei Verhandlungen in Peking. Als er dort im Sun Yatsen Park aufgebahrt wurde, defilierten 700.000 Menschen an seinem Sarg vorbei.
Das gewaltige Mausoleum, das ihm bis 1929 in Nanking errichtet wurde, bezeugt das erstaunliche Maß an Verehrung, das er in allen Bevölkerungsschichten genoss. Suns Erbe wird bis heute vor allem in Taiwan gepflegt, aber auch die Kommunisten sahen (und sehen) sich als legitime Wahrer seines Erbes, zumal sich Suns Witwe Song Qingling auf Maos Seite schlug.

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