Die kämpfenden Mönche des Shaolin Tempels sind ein Synonym für das chinesische „gongfu“. Von morgens bis abends sind die Mönche hier mit der buddhistischen Lehre und dem Kampfgeist beschäftigt. Die Spiritualität hier hat schon die Phantasie vieler angeregt und auch den Stoff für so manchen Film geliefert.

Der Shaolin Tempel liegt im Songshan Gebirge zwischen Luoyang und Zhengzhou und wurde im 5. Jh von einem Mönch mit dem Namen Ba Tuo gegründet, einem Experten in Sachen Kampfkunst. Einer seiner beiden Schüler, Seng Chou, konnte mit einem einzigen Satz auf das Dach des Hauses springen.

Hodhidharma, der indische Mönch auf den die buddhistische Zen (Chan) –Sekte zurückgeht, kam 527 zu Besuch. Er entwickelte für die Mönche eine Reihe von Körperübungen, die sie nach den langen Sitzperioden der Meditation ausführen sollten. Der Grundstein für „wushu“, die Kampfkunst, war gelegt.

Im Gegensatz zu Karate, Teakwondo oder Kickboxen vermittelt die Variante hier Spiritualität und einen Lebensstil.

Der Tempel zeigte sich künstlerischen und etwas extravaganten Mönchen gegenüber offen, die in anderen Klöstern abgelehnt wurden.

Er avancierte auch zum Zufluchtsort für Hunderte von Soldaten. Militärs und Banditen die oft in Kampfsportarten ausgebildet waren. Sie alle trugen dazu bei, den Tempel vor drohenden Überfällen zu schützen. Gleichzeitig stieg er in der kaiserlichen Gunst und gelangte zu Wohlstand.

Die Mönche des Shaolin Klosters wurden oft gebeten, für den Hof zu kämpfen und es wurde eine Armee von Mönchsoldaten ins Leben gerufen. Während der Ming Dynastie hatten die Mönche ihren großen Ruhm erreicht, unter der Qing Dynastie ging es dann bergab. Der Tempel wurde zigmal geplündert und niedergebrannt, auch von den Roten Garden in den 70er Jahren.

Heute kommen Tausende von Möchtegern Mönchen ins Kloster, um dort einen Schnellkurs in Selbstverteidigung zu besuchen. Der Verwaltung war bald klar, dass man damit gut Geld machen konnte und der Tempel öffnete sich den Massen.

Und so hat so mancher Bodyguard hier diese todbringende Kunst studiert.

Rund um den Tempel sind die Kampfsportschulen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Viele Fremde machen einen Kurs in der Hoffnung, zum zweiten David Carradine zu werden, dem Star der Fernsehserie Kung Fu.

Jedes Jahr pilgern Tausende von „gongfu Fans“ zum Shaolin Tempel. Einige erweisen Bodhidharma ihre Ehre, andere lassen sich eher von Bruce Lee oder Jet Li leiten und wieder andere sind einfach nur neugierig. Hinter dem Blitzlichtgewitter der Fotoapparate  und den Souvenirläden steht jedoch ein herrliches Bauwerk. Und bis heute ist der Shaolin Tempel die Heimat fernöstlicher Kampfkunst.

Der Tempel

Im Haupthof wimmelt es nur so vor Stellen, die alle vom weltweiten Einfluss des Shaolin Tempels zeugen. Im Haupttempel sind drei goldene Buddhas sowie ein Bildnis von Damo zu sehen. Damo war zwar ein bisschen durch einen Samtvorhang rechts verdeckt, doch kann man ihn an seinem Bart und den indischen Zügen erkennen.

Im hinteren Bereich des Klosters liegt der „Im Schnee stehende Pavillon“, wo sich der Mönch Huihe den Arm abgeschnitten hat, um besser mit dem Wesen des Chan bzw Zen Buddhismus in Kommunikation treten zu können. In der „Wenshu Halle“ daneben ist ein Stein untergebracht, dessen Oberfläche die Gestalt eines Bodhisattvas (nach höchster Erkenntnis strebende Wesen aus dem Mahayana Buddhismus) hat.

Der „Pilu Pavillon“ dahinter weist viele Wandmalereien auf. Beeindruckender sind jedoch die Fußabdrücke, welche die Legionen kämpfender Mönche hinterlassen haben.

Der „Guanyin Tempel“ rechts lässt die berühmten Fresken mit Mönchen beim Kampfsport sehen.

In der „Chuipu Halle“ sind Figuren in verschiedenen Meditationshaltung und Kampfesposen ausgestellt. Verschiedene Kampfsportarten werden gezeigt, darunter die martialische „Luohan Faust“ benannt nach dem bekannten Luohan aus der buddhistischen Mythologie.

Leider betteln heute manche Mönche die Touristen an, der Großteil pflegt allerdings weiter diszipliniert die asketische Kampfeskunst, selbst wenn der Kommerz im Tempel blüht.

Der berühmte Pagodenwald (Ta Lin) befindet sich 200 Meter den Berg hinauf, auf der Eintrittskarte ist ein Lageplan. Jede der kleinen Pagoden erinnert an einen der ehrenswerten Mönche, die hier beerdigt sind.

Da es am Wochenende im Shaolin Kloster extrem voll ist, empfiehlt es sich an einem Wochentag zu kommen.